Kerschbaumer, Altendorfer und Caluzi

War das schon eine kleine Vorentscheidung im Kampf um die Meisterschaft im Yamaha R6-DUNLOP-CUP? Filip Altendorfer (Raubling, Yamaha Racing Meier) feierte auf dem Schleizer Dreieck vor der prächtigen Kulisse von 25.000 Zuschauern den vierten Saisonsieg und baute damit seinen Vorsprung auf 19 Punkte aus.

"Wir haben mein Fahrwerk für diese kraftraubende Strecke insgesamt etwas weicher abgestimmt, das erwies sich im Hinblick auf das Rennen als richtig", verriet Altendorfer, der im Training nur auf dem vierten Rang gelegen hatte. Das Zünglein an der Waage war aber ein Überrundungsmanöver in der vorletzten Runde: "Ich bin als Führender einfach besser durchgekommen, nachdem Stef das ganze Rennen über am Hinterrad hing". Von taktischem Geplänkel hält der 21-jährige Meisterschaftsleader nicht viel: "Mein Ziel ist natürlich der Gesamtsieg, trotzdem will ich auch in Oschersleben auf Treppchen, aber Stef, Sören, Rino oder auch unsere Youngster sind starke Gegner. Das wird noch ein hartes Stück Arbeit."

Stefan Kerschbaumer (Höf-Präbach, Motorradwelt München) lieferte dem Titelfavoriten einmal mehr einen tollen Kampf: "Wir waren heute gleich gleich schnell. Ich habe mehrmals attackiert, kam aber immer nur auf gleiche Höhe. Irgendwann machte Filip einen kleinen Fehler, den ich ausnutzen konnte, aber er hat gleich wieder gekontert. Kurz vor Schluss bin ich beim Überrunden angestanden und musste dadurch abreißen lassen", schilderte der 18-jährige Österreicher, der den Titel allerdings noch nicht abgeschrieben hat.

Dagegen hat sich Sören Jakobsen (DK-Brande, Bruno's MC Team RR) aus dem Titelrennen verabschiedet. Der sympathische Däne konnte wie im Vorjahr seine Trainingsbestzeit im Rennen nicht umsetzen: Letztes Jahr war es ein schleichender Plattfuss, diesmal stürzte Jakobsen an zweiter Stelle liegend und musste sich am Ende mit Rang 13 begnügen: "Ich hatte gestern im Abschlusstraining einen Highsider. Wir haben das Motorrad über Nacht wieder aufgebaut, aber mein linker Lenkerstummel war wohl nicht ganz fest und hat sich beim Anbremsen verstellt. Dadurch konnte ich den Rutscher nicht mehr abfangen. Irgendwie habe ich wohl ein gestörtes Verhältnis zum Schleizer Dreieck", erklärte der 20-Jährige frustriert.

 

Der Schweizer Rino Caluzi (Tamins, LGT Group/Zweirad Teuchert) war einer der Profiteure dieses Missgeschicks. "Ich bin leider zu spät in meinen Rhythmus gekommen, deshalb war ich nicht ganz an der Spitzengruppe dran. Schlussendlich habe ich von Sörens Sturz profitiert und damit den Podestplatz geerbt. Mein Augenmerk ist nun auf Oschersleben gerichtet, die Strecke liegt mir und ich will dort nächste Woche von Anfang an vorne mitmischen", gab sich Caluzi angriffslustig.

 

Bei Manuel Dattinger (A-Mauer, Zweirad Teuchert) zeigt die Formkurve weiter nach oben. Der Österreicher belegte wie in Salzburg Rang vier: "Ich war in der ersten Kurve eingeklemmt und kam dadurch nur als Zehnter zurück. Allerdings hatte ich schon gestern gemerkt, dass ich heute ganz gut mitfahren kann. Ich kam recht schnell wieder vor und hatte in der letzten Runde auch noch Glück, dass ich beim Überrunden mehr Schwung auf die Zielgerade mitnehmen und Tim noch ausbeschleunigen konnte."

 

Nach seinem großartigen zweiten Trainingsplatz hatte sich der erst 15-jährige Tim Böhringer (Erkenbrechtsweiler, walz motorsport) verständlicherweise mehr versprochen als Rang fünf. "Mir sind mehrmals die Gänge rausgesprungen und ich musste dadurch einen weiten Bogen fahren. Das hat Zeit gekostet und ich habe den Anschluss an Rino verloren. In der letzten Runde bin ich wegen der gelben Flagge beim Überrunden angestanden, das hat Manuel dann ausgenutzt", erklärte Böhringer, der das Cup-Team am Freitag beim Fußball-Turnier mit tollen Paraden bis ins Finale gebracht hatte.

 

Steffen Widmann (Unter-Flockenbach, Motorrad Hester-WM Racing) zog als bester 'Senior' eine positive Bilanz: "In erster Linie bin ich froh, dass es besser lief als im Vorjahr, als ich im im freien Training die Hand gebrochen habe. Von daher hätte ich mich auch mit einem schlechteren Resultat zufrieden gegeben, zumal der Fahrspaß auf dieser Strecke einmalig ist", scherzte der frühere Auto-Rennfahrer.

 

Als Siebter bewies Cup-Youngster Marc Moser (Dieburg, Kiefer-Racing) einmal mehr eine für sein Alter beeindruckende Konstanz im Vorderfeld. "Ich habe den Start versaut und kam nur als Elfter aus der ersten Runde zurück. Dann konnte ich allerdings konstant schnelle Runden fahren und Platz um Platz gutmachen. Für Widdy hat's leider nicht mehr ganz gereicht". Der nächste starke Vertreter der Nachwuchsriege war David Datzer (Seyboldsdorf, Alphatechnik Meier): "Ich war zum ersten Mal in Schleiz, trotzdem war ich mit Rang 13 im Training nicht zufrieden. Aber im Rennen war ich vom Start weg gut dabei, habe mir aber ein paar Fehler erlaubt. Deshalb ist der achte Platz absolut OK", meinte der 15-jährige Cup-Rookie.

 

Immerhin konnte er sich den angriffslustigen Routinier Michael Beyer (A-Wien, Südbike) vom Leib halten, der wiederum Florian Bauer (Markgröningen, 2 WD Motorrad Noller Racing) auf Rang zehn verwies. Der Schwabe hatte sich am Samstag zu seinem 23. Geburtstag unfreiwillig eine große Sause beschert, als er im ersten Training sein Motorrad so böse zerstörte, dass es bis zum Abschlusstraining nicht rechtzeitig fertig wurde. Umso beachtlicher seine starke Vorstellung im Rennen.

 

'Cup-Opa' Michael Götz, Michael (Hadamar, JFW Bikes Racing Team) kam auf Rang elf ins Ziel: "Ich hatte im schnellen Bergaufstück eine Berührung mit Flori und musste dabei ins Grün, das hat viel Zeit gekostet.". Stefano Sciré (Dormagen, Homberg-Racing Team) vermeldete als Zwölfter "ein unspektakuläres Rennen nach einem schlechten Start, wogegen Frank Häfner (Eckental, Zweirad Teuchert) hinter dem gestürzten Jakobsen mit Rang 14 voll zufrieden war: " Schleiz ist nur eine gute Autostunde von meinem Heimatort entfernt, also sozusagen meine Heimstrecke. Damit waren etliche Fans angereist", verriet der Franke.

 

Timo Jentzsch (Hamburg, Scholly's/Brunner) freute sich über den letzten Punkt: "Ich bin zum zweiten Mal in den Punkterängen und habe meinen Ziehpapa Sven Bennin hinter mir gelassen", grinste der Cup-Rookie verschmitzt.

 

Dagegen war Stefan Ströhlein (SH-Racing/Deutschmann) überhaupt nicht zum Lachen zumute. Gerade von seinem am Sachsenring erlittenen Schlüsselbeinbruch genesen, kollidierte der Wittelshofener auf Rang neun liegend mit einem Überrundeten und landete prompt wieder auf den bei Rennfahrern so beliebte 'Spurstange': "Ich fürchte, der Kochen ist wieder ab. Ich muss jetzt zum Röntgen, habe aber die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben, in Oschersleben vielleicht doch starten zu können", berichtete Ströhlein sichtlich gefrustet. Dort geht es bereits am kommenden Wochenende im Rahmen der Speedweek in die vorletzte Runde.

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